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Die neuromentale Medizin als Ursachenmedizin von (Stress-)bedingten Erkrankungen

Neuromentale Medizin ist ein interdisziplinärer Forschungsansatz. Seit mehr als 15 Jahren verfolgen unter der wissenschaftlichen Leitung von Doktor Gerhard Bittner, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für neuromentale Medizin, kausale Stressmedizin und Gesundheitsmanagement e.V. in Essen (DGNM), Mediziner und Neurologen konsequent den Anspruch, die verschiedenen Forschungs- und Wissenschaftsrichtungen in den Bereichen der Stressmedizin integrativ zu verbinden.

Ziel ist die Erforschung und Beschreibung möglichst aller relevanten Zusammenhänge um die Themen Stress bzw. der Stressmedizin. Es werden darüber hinaus Strategien und Gesundheitskonzepte entwickelt, die valide diagnostische Messungen einschließen und im Alltag praktisch umsetzbar sowie wirksam sind.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen vor allem die Fragen nach den neuromentalen Ursachen von unter anderem internistischen Erkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft (DGNM) berücksichtigt hierbei die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung, mit den zunehmend immer besser erforschten neuromentalen Prozessen, und führt diese, zusammen mit der Grundlagenforschung und der Medizin, zu kausalen Stressmodellen zusammen. Diese erklären, wie die neuromentalen, kognitiven Prozesse Krankheiten verursachen oder deren Verlauf zusätzlich negativ beeinflussen können.

Das bedeutet vereinfacht: Krankheit beginnt (auch) im Kopf, Gesundheit auch. Denn mentale Prozesse lösen emotionale, neuronale, endokrine und vor allem physiologische Reaktionen und Veränderungen im Körper aus, die spezifische Schädigungen in Organsystemen oder Geweben des gesamten Organismus nach sich ziehen können. Dies belegen evidenzbasierte Studien seit Jahren. 

Ein besonders gutes Beispiel für diese kausalen Zusammenhänge zwischen neuromentalen und pathophysiologischen Vorgängen ist das Phänomen „Stress“ und die darauf zurückzuführenden diversen Erkrankungen.

Die Grundannahmen der neuromentalen Medizin lassen sich wie folgt kurz zusammenfassen:

  • Gesundheit beginnt im Kopf – Krankheit auch.
  • Denken an Negatives ist riskant wie Kettenrauchen.
  • Denken an Negatives erzeugt negative Emotionen, bewirkt Stress und macht krank.
  • Jedes Ärgernis ist für immer im Kopf gespeichert.
  • Immer dann wenn Menschen sich ärgern, „schlecht drauf sind“ oder Wut haben etc., reagiert der Körper und schädigt sich. 
  • Mental ausgelöster Stress geht sehr vielen Krankheiten voraus.
  • Bereits erkrankte Menschen verschlechtern ihre Prognose und Entwicklung zusätz-lich, wenn die Stressbelastungen hoch sind.

Was ist neu an der neuromentalen Medizin?

Neu und weiter entwickelt wurden folgende Erkenntnisse:

  • dass 1 Gedanke, eine Erinnerung an etwas Unangenehmes oder Ärgerliches, einen „Cocktail“ von Stresshormonen aktiviert, der im Körper die vegetative Drehzahl mehrere Minuten lang unspürbar erhöht,
  • dass mentaler Stress durch negative Wahrnehmungen, Gedanken und
     negative Erlebnisse, Ärgernisse, Sorgen und Probleme ein viel höheres Stress- und Schädigungspotenzial hat als die meisten Einflüsse von außen,
  • die Entdeckung der extrem schnellen mentalen Prozesse, Wahrnehmungen, Denken, As-soziieren als Haupt – Risikofaktor für die Gesundheit,
  • wie direkt schädigend für den Organismus einzelne Gedanken an negative Dinge und negative Assoziationen sein können,das hohe Schädigungspotenzial der schnellen und unspürbaren mentalen Prozesse für die Gesundheit,
  • 1 Gedanke an etwas Unangenehmes reicht aus, den Körper sofort über die Stressreakti-on zu aktivieren. Jeder einzelne negative Gedanke ist nachteilig,
  • dass Emotionen in der Regel durch die mentalen Prozesse geschaltet werden: Erst den-ken oder assoziieren wir, dann fühlen wir,
  • dass Joggen, Spazieren, Autogenes Training, Yoga usw. nur kurzzeitig ablenken und ver-drängen, deshalb wenig wirksam und nicht die Lösung für die mentalen kognitiven Stress-Belastungen sind. Ein Perfektionist ist nach dem Joggen immer noch Perfektionist.
  • dass es mit mentalen Methoden gelingt, negative Emotionen in Sekunden zu beenden und belastende Gedanken abzuschalten,
  • dass jeder negative Gedanke die Gesundheit viel schneller und stärker schädigen kann, als wir bisher dachten,
  • dass negative, aggressive und abwertende Kommunikationen im weitesten Sinne eine Art von „indirekter“ Körperverletzung darstellen. Denn die Gedanken und kognitiven Assoziationen aktivieren die Stressrektion des Körpers,
  • dass es ganz einfache mentale Methoden gibt, sich vor Stress zu schützen, die sofort  funktionieren. Diese können aktiv erlernt werden.
  • dass viele unserer alltäglichen Verhaltensweisen, wie wir mit Ärger, Sorgen, Problemen, Druck und Konflikten umgehen, wie Dampf ablassen, sauer sein usw., meist genau das Gegenteil bewirken und die Stressbelastung noch verstärken, weil sie im Gehirn gespeichert werden.

Die neuromentale Medizin vereint die Erkenntnisse und Leitlinien verschiedener, interdisziplinärer Forschungsanätze, medizinischen Fachrichtungen und Wissenschaftszweige zu einem systemtheoretischen Ansatz. Damit ist es erst möglich, die Regelkreise und Interaktionen der einzelnen Körperelemente miteinander, also des Gehirns mit anderen Organen, angemessen zu erklären.

Folgende Einzelwissenschaften wurden im Laufe der letzten 15 Jahre von der Deutschen Gesellschaft für neuromentale Medizin unter der wissenschaftlichen Leitung von Doktor Gerhard Bittner ausgewertet und zu einem systemtheoretischen Ansatz  zusammengeführt:

Die Neurobiologie liefert Wissen über die Entstehung des Gehirns, seine wesentlichen Funktionen und Funktionsmechanismen, über die Vernetzung und die Veränderungen des Gehirns durch Lernprozesse usw.

Die Lernpsychologie trägt dazu bei, Lernvorgänge, Konditionierungen, Speicherung von Erfahrungen und Möglichkeiten der Veränderung von Gewohnheiten zu verstehen. Sie erklärt auch, unter welchen Bedingungen Reize im Gehirn engrammiert werden.

Die Persönlichkeitspsychologie kann sich durch die Mentalwissenschaften neu strukturieren. Standen in den vergangenen Jahrzehnten eher phänomenologische Merkmale der Persönlichkeit wie Aussehen, Verhalten usw. im Mittelpunkt, so verstehen wir Persönlichkeit modern als mentales Engramm von Erfahrung, Wissen und verschiedenen Fähigkeiten.

Die Ziele eines Menschen, seine Werte, seine Motivation, Ausprägungen wie Perfektionismus, Ehrgeiz, Überzeugungen und Vorstellungen – im Prinzip alle Persönlichkeitsmerkmale – sind im Neokortex abgelegt und gespeichert. Dazu gehören auch Motive und gespeicherte Emotionen wie z.B. Ängste.

Die Emotionstheorie musste grundlegend renoviert werden. Wir wissen heute, dass Emotionen im wesentlichen durch komplexe hormonelle Vorgänge (Oxytocin, Serotonin, Neuropeptide usw.) erzeugt werden. Bevor jedoch – und das ist das wirklich Neue – hormonelle Prozesse aktiviert werden, findet in der Regel ein mentaler Prozess statt, Gedanken, Erinnerungen, Assoziationen aktivieren hormonelle Reaktionen – bewusst oder unbewusst.

Der zweite Teil der neuen Emotionstheorie - der mentalen Emotionstheorie - geht davon aus, dass Gefühle, vor allem erlebte Gefühle, im Gehirn gespeichert sind. Wir können sie erinnern und lösen sie durch Assoziationen aus. In diesem Zusammenhang sprechen wir von Speicheremotionen. Emotionen sind damit mental. Sie entstehen im Kopf.

Da Emotionen und ihre hormonelle Aktivierung eine zentrale Bedeutung für die Auslösung von Krankheiten wie Depressionen usw. haben, sowie durch vegetative Reaktionen wie Stress aktiviert werden, kommt der mentalen Emotionssteuerung in Zukunft eine große Rolle zu.

Die Motivationstheorie erneuert sich insofern, als die verschiedensten Formen der Motivation, von der Vermeidungsmotivation bis hin zur Lustmotivation, als mentale Engramme gespeichert sind und durch mentale Prozesse aktiviert werden. Es ist möglich, Motivation durch aktives und bewusstes Denken direkt zu generieren. Mentalität und Einstellungen erzeugen Motivation.

Die Stressforschung vollzieht einen Paradigmenwechsel. Der Schlüssel zum Verständnis vegetativer Stressreaktionen liegt in der Mentalität. Physiologische Stressreaktionen im Körper sind das Ergebnis vorangegangener hormoneller und neuronaler Prozesse, die wesentlich durch mentale Auslöser gestartet werden. Stress beginnt im Kopf und ist dort zu steuern und zu therapieren.

Die allgemeine Medizin liefert sehr viele wichtige Erkenntnisse über das Zusammenspiel neuronaler, hormoneller, emotionaler und physiologischer Prozesse. Sie hat sich allerdings bisher wenig mit dem Zusammenhang von Persönlichkeit, Mentalität, Emotion und Krankheitsbildern befasst.

Die Onkologie beschäftigt sich mit der Frage, wie Krebs entsteht, diagnostiziert und therapiert werden kann, welche Rolle dabei mentale Faktoren spielen. Längst bekannt ist, dass z.B. Optimismus und Pessimismus als mentale Grundeinstellungen unterschiedliche physiologische Prozesse auslösen, z.B. über den Stressmechanismus wichtige Körpersysteme wie das Immunsystem beeinträchtigen können. Neue Forschungen gehen weit darüber hinaus.

Die Kardiologie befasst sich mit der Frage, inwieweit Persönlichkeitsfaktoren wie Ehrgeiz, Perfektionismus, Emotionen wie Ärger, Druck, Angst oder innere Zustände wie Anspannung, Hektik, Druck und viele andere direkt auf den Organismus wirken und das Risiko für Herzinfarkte und andere kardiologische Erkrankungen signifikant erhöhen.

Die Orthomolekulare Medizin untersucht u.a. den Stoffwechsel in menschlichen Zellen auf biochemischer Grundlage und geht z.B. der Frage nach, inwieweit der mentale Zustand Stress in menschlichen Zellen auslösen kann und die Lebenserwartung von Zellstrukturen beeinflusst.

Die Psychoneuroimmunologie definiert Zusammenhänge von Stimmungen, neuronalen und mentalen Vorgängen sowie deren Auswirkung auf die Funktionen des Immunsystems, auf Gesundheit und Krankheit. Die Psychoneuroimmunologie hat viel dazu beigetragen, zu verstehen, dass negative Stimmungen und Emotionen - ausgelöst durch negatives Denken oder negative Assoziationen - zur Schwächung des Immunsystems und auf Dauer zu schweren Erkrankungen führen können.

Die Psychosomatik galt lange Zeit als Modell dafür, einen kausalen Wirkungszusammenhang zwischen emotionalen Vorgängen, der sogenannten Psyche und dem Soma im Körper zu erforschen und zu belegen. Heute gilt dieser Zusammenhang vielfältig als gesichert. Das neue Wissen über das Gehirn legt nahe, von Mentalsomatik zu sprechen. Der Begriff der Psyche wird in neueren Veröffentlichungen der Neurologen nur noch wenig benutzt. Es gilt die Logik, dass mentale Prozesse emotionale Prozesse auslösen und diese wiederum physio-logische Prozesse. Insofern gehört der Mentalsomatik oder einer mental-emotionalen Somatik die Zukunft.

Die Entspannungsforschung liefert einen Beitrag zu der Frage, wie wirkt Entspannung auf das Gehirn, welche Zustände löst sie aus, wie verändert sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns in Entspannung usw. Durch Verfahren wie PET (Positronen -Emissions - Tomographie), fMRT (funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie), EEG und diverse Biofeedbackverfahren lässt sich schlüssig zeigen, dass Entspannung bei gleichzeitig hoher Aufmerksamkeit nicht nur ein homöostatisch gesunder, sondern auch besonders leistungsintensiver mentaler Zustand ist.

Die Kommunikationswissenschaft liefert sehr interessante Modelle darüber, wie Kommunikation und soziale Interaktion zwischen Menschen als Kommunikation von Gehirn zu Gehirn funktioniert. Gehirne nehmen über 5 Sinneskanäle Signale von Kommunikationspartnern auf (das Sender-Empfänger-Modell) und verarbeiten sie. Auch Kommunikation wie z.B. Sprache wirkt damit direkt auf das mentale System, löst Emotionen aus und wirkt auf das physiologische System. Damit wird Kommunikation als ein Prozess der mentalen Informationsverarbeitung beschrieben. Sprache z.B. löst direkt mentale Prozesse, dann Emotionen und logischerweise physiologische Reaktionen aus. Negative, aggressive und abwertende Kommunikation kann Menschen dauerhaft unter Stress setzen und über diesen indirekten Mechanismus krank machen. Die Kombination von Kommunikationsmodellen mit dem medizinischen Stresskonzept soll hier als Beispiel genannt werden.

Die Mentalwissenschaft im weiteren Sinne versteht sich interdisziplinär und sucht die Kooperation mit anderen Wissenschafts- und Forschungsbereichen.